Feliks Fraberger. Interview mit einem Wiener Barpianisten.

Feliks Fraberger war lange Zeit Barpianist im Café Residenz in Schloss Schönbrunn, im Café Hofburg und spielt jetzt mehrmals die Woche in dem renommierten Nobelrestaurant Griechenbeisl im 1. Wiener Bezirk. Wir haben mit ihm gesprochen und ihn über seinen Beruf, seine Berufung und seine Musik gefragt.

Grüß dich Feliks. Beginnen wir mit einer einfachen Frage. Was ist deine Aufgabe als Barpianist?
(denkt kurz nach)Für eine gute, angenehme Atmosphäre zu sorgen. Das ist das Wichtigste. Die Zuhörer müssen sich wohlfühlen.

Hast du schon einmal etwas Lustiges dabei erlebt?
Oh ja…. (lacht)…Lustiges habe ich Einiges erlebt.

Verrätst du mir etwas davon?
Erst vor kurzem – es war im Restaurant Griechenbeisl – kam ein amerikanischer Gast zu mir ans Klavier. Ich habe gerade noch ein Lied gespielt und hatte keine Hand frei. Der Gast hat mir sehr eindringlich seine geschlossene Faust vor mein Gesicht gehalten und ich hatte den Eindruck er wollte mir ganz viel Trinkgeld geben. Es war ihm sehr wichtig, dass ich jetzt sofort meine Hand hinhalte. Naja ich dachte „Wow, das wird viel Trinkgeld sein“ und habe nur mit einer Hand weitergespielt. Ich sage  „Thank You“ und strecke meine andere Hand hin. Und dann war es 1 Dollar. 1 Dollar! Da habe ich schon sehr gelacht.

Setzt sich manchmal jemand zu dir ans Klavier um zu singen?
Ans Klavier kommen sie eigentlich nicht. Aber viele Gäste wollen mitsingen. Vor allem wünschen sie sich  „My Way“ zum Mitsingen. Immer nur „My Way, My Way….“. Irgendwann kannst du das Lied nicht mehr hören.

Was ist dein angenehmstes Publikum?
Ältere Leute. Sie lieben Musik und verstehen Musik mehr als neue Generationen. Je jünger man ist umso weniger versteht man diese Musik, vor allem Klaviermusik. Die jungen Leute mögen Rap Musik – diese Musik verstehe wieder ich überhaupt nicht – aber nicht Klaviermusik. Ich bin kein Optimist, dass sich das jemals ändern wird.

(Überlegt)

Ich bekomme Applaus und Anerkennung wenn ich richtig gut spiele, gut gelaunt bin und meine eigenen Lieder spiele. Und dann bekomme ich manchmal den gleichen Applaus wenn ich schlecht gelaunt bin und ein neues Lied einstudiere und sozusagen noch übe. Die Reaktion ist immer dieselbe. Es ist egal was ich spiele. Was soll ich davon halten?

Was ist das weniger angenehme Publikum?
Es gibt immer wieder Geschäftsleute, die in Gruppen kommen und nicht einmal merken, dass du spielst. Sie hören nichts. Du existierst überhaupt nicht für sie. Leider.
Im Gegensatz zu japanischen oder chinesischen Reisegruppen. Für die ist Musik etwas ganz Besonderes. Und ich fühle, wie sehr ihnen mein Klavierspiel gefällt.

Welche Musikwünsche werden oft an dich herangetragen?
Walzer. Wiener Walzer kommen am besten an. Jeder mag das, jeder wünscht sich das, jeder kennt das. Wiener Walzer gehen immer – auch in virtuoser Bearbeitung.

Was ist das Schöne an deinem Beruf?
Man muss in der Früh nicht aufstehen. (lacht).Ja, es ist ein gutes Gefühl zu spielen. Je nach Laune ist es auch manchmal anstrengend. Es ist schön die Atmosphäre zu beeinflussen.

Was schätzen die Zuhörer an dir?
Ich spiele mehr melodische Sachen und Filmmusik. Das kommt gut an. Immer wieder. Elina oder Russian Dreams habe ich extra dafür geschrieben. Das sind extrem melodische Lieder.

Was wünschst du dir für die zukünftige Barpianisten Szene?
In Wien – der Stadt der Musik sollte viel mehr Live Musik gespielt werden. Ich kann nicht verstehen, dass in der Stadt nicht mehr Lokale Live Musik anbieten. Die Leute mögen Musik – die Touristen sowieso, aber auch die Wiener selbst. Und die Wiener Barpianisten leisten ihren Beitrag. In Moskau gibt es in jedem fünf Sterne Hotel Klaviermusik. Ich verstehe überhaupt nicht warum das in Wien nicht so ist. In Moskau spielt ein Pianist acht Stunden am Tag und in Wien wollen sie überall die Musiker abschaffen. Oft merken die Gastronomen aber recht rasch, dass die Musik Tradition hat und holen die Musiker wieder zurück.
Am Geld kann es ja nicht liegen – so wenig wie die Musiker bekommen. Putzfrauen verdienen manchmal mehr.
Wenn man bedenkt wieviel Zeit man in die Ausbildung, in das Studium, in das Üben steckt und dann sieht wie wenig man dafür bezahlt bekommt…. (seufzt).
Willst du Geld verdienen mach etwas Anderes.
Musik ist für die Seele.

Das hast du sehr gut gesagt. Ein guter Abschluss: „Musik ist für die Seele“. Danke für deine Zeit und das Gespräch.
Sehr gerne.