THOMAS PLEIDL. Interview mit einem Wiener Barpianisten.

Thomas Pleidl ist Barpianist in dem renommierten Luxushotel Imperial Vienna, am Kärntner Ring in Wien. Wir haben mit ihm gesprochen und ihn über seinen Beruf, seine Berufung und seine Musik gefragt.

Guten Abend Thomas! Darf ich mit einer allgemeinen Frage beginnen: wie beschreibst du deinen Beruf?
Der Beruf des Barpianisten ist sehr vielseitig und man hat tagtäglich sehr interessante Begegnungen, trifft auf sehr vielseitige Menschen, weil eben auch die Barmusik sehr vielseitig ist. Was momentan wieder sehr in Mode kommt ist klassische Musik. Ohne Chopin käme man als Barpianist in Wien heute nicht mehr weit.

Ist das der Grund warum du viele deiner Eigenkompositionen auch im „Modern Klassik“ Stil schreibst?
Ja. Das ist genau meins. Ich versuche Barmusik mit Klassik zu verbinden. Für die Gäste ist das immer sehr interessant.

Was hast du schon Lustiges erlebt?
Lustige Geschichten hat es auch hier (Anm.: Hotel Imperial) sehr viele gegeben. (lacht),aber an eine Geschichte erinnere ich mich besonders gerne zurück. Bei meinen Stammgästen war bekannt, dass ich bei Gesprächen oft zuhöre und dann zu dem Thema das passende Lied spiele. Früher gab es noch die kleine rote Bar hier im Imperial und man hat viel von dem was die Gäste gesprochen haben mitbekommen.
Zwei Stammgäste – Rechtsanwälte, leider schon verstorben,  hatten ein Streitgespräch an der Bar und plötzlich sagt der eine zum anderen: „Weißt du was? Leck mich doch mal am ……!“ Ich war momentan so schockiert von dem Ausdruck, dass mir musikalisch nichts dazu eingefallen ist. Dann sagt der Rechtsanwalt zu mir: „Na Thomas, wieso spielst denn da nichts, von dem was ich gesagt habe?“ Dann habe ich Gott sei Dank einen Geistesblitz gehabt und habe die Sowinetz Parodie gespielt: „Alle Menschen Samma Z’wider in de Gosch’n mecht‘ i’s hau’n“ mit der Melodie von „Odé an die Freude“, Beethovens 9. Sinfonie. Die Gäste habe sehr heiter reagiert.

Welches ist dein angenehmste Publikum?
Das angenehmste Publikum ist das, das zuhört, das mitgeht und wo ich das Gefühl habe, dass sie auch ein musikalisches Verständnis haben. Ich habe aufgrund meiner klassischen Ausbildung auch hohe Anforderungen (überlegt und lacht)–wahrscheinlich auch manchmal zu hohe Anforderungen.

 Welches ist das weniger angenehme Publikum?
Das lästigste Publikum – das gibt es natürlich auch, ist das, wenn mitten in einem Lied Gäste ans Klavier kommen und einen Musikwunsch äußern. Man kann doch warten bis das Lied zu Ende ist.

Was sind die absurdesten Musik Wünsche die dir untergekommen sind?
Die absurdesten Musikwünsche am Klavier sind ja die, ich mag jetzt gar nicht alle aufzählen, aber wenn man mit einem Richard Wagner daher kommt oder generell verlangt Opern am Klavier zu spielen. Ich finde das für das Klavier allein nicht passend.

Was wünscht du dir für die zukünftige Barpianoszene?
Was für mich positiv ist, dass Barmusik wieder an Wertigkeit gewinnt. Eine zeitlang war es out. Aber nun wird es auch bei den Jungen immer mehr in. Das liegt auch an der klassischen Linie, die sich mit Barmusik verbindet.
Ich wünsche mir, dass das so bleibt und noch besser wird. So wie vor 40, 50 Jahren. Barmusik und Klavier in der Bar war damals sehr modern. Vor 10 Jahren gab es dann einen Bruch, da wurden die Klaviere aus den Hotels verbannt (Anm.: Nicht aus dem Hotel Imperial, dieses Hotel ist der Tradition des Barpianisten treu geblieben und die Wiener Barpianistenszene dankt dem Hotel Imperial dafür).
Jetzt ist es wieder besser.  Ich wünsche mir, dass das Instrumentale wieder mehr in den Vordergrund kommt. Das Instrument soll ohne Stimme, ohne Gesang mehr Wert bekommen – das ist mein großer Wunsch- dass Barpiano wieder mehr an Wertigkeit gewinnt.

 Danke für das Gespräch!
Gerne.